Interview Willi Lindemann / Juni 2010

 

(…)

C  Du bist ja nu noch einer, dä veel Platt kört, ne ?

W  Wenn ik hier in’ Dörpe einen dräpe, Otto oder Fritze oder Tutten, naja, denn kört man, aber wenn einer dat nich versteiht, denn kannste ja nich. Hättse doch mal eseggt, dä wüllt, dat dat wedder mehr esproken wern sall … inne Schaule … dat se da mit Platt anfänget. Wenn dä dat inne Schaule hett un immer mal ne Stunne, denn lehrt sik dat ok.

(…)

Von Bronswiek, da hebbe ik mal dat erste Fahrrad ekreegen als Kind. Et gaff keine hier in Almke, hat keiner n Fahrrad ehat, ik hebbe dat erste denn ekkreegen. Von Tante Alma Tappenbeck ut Bronswiek.

C  Tatsächlich ?

W  Ja, aber dä Rücktritt was kaputt, hat kein Rücktritt mehr ehat. Un denn bin ik hier midde rumkutschiert un wenne anholen wosst’, denn mossteste immer irgendwo ranfeuern.

C  Handbremse ?

W  Ging ok allet nich mehr. Bist aber stolz ewesst und bist in Dörpe efeuert. Von dä Kinder hat jedenfalls keiner n Fahrrad ehat, dä wolln alle min hebben: Lat mik mal, lat mik mal. Un hett sik inne Wulle ekreegen, haha. Was n Kinderrad, aber n betjen grötter all un denn moßten wi immer irgendwo ranfeuern, dat wie opstiegen künnt. Un jeder was stolz, op dat Fahrrad tau feuern, dat wett ik noch so genau. Taun Verschrotten was et woll tau schade un hier gaff et nist.

(…)

C  Hast du wat elehrt na dä Schaule?

W  Nä, Berufsschaule noch, n paar Jahre in Neindorp, un denn hebbe ik usen Hoff hier midde emaket, 45 Morgen mit Pachtacker. Dä Olen sind doch alle na’ n Holte gahn, Krusekopp, Heinrich Meyer, Otto Lindemann, use Vader. Bi’ n Grafen, Winter un Sommer, bet na Bisdorp hen, tau Faute. Un wenn Snei lach, denn moßte jeden Morgen einer vorreweg, Spur träen, un dä andern drei hinderdorch in’ Gänsemarsch und so sünd dä denn bet hinder Bisdorp. Rucksack opn Puckel, n Stücke Speck oder n Enne Rotwost, da hättse sik denn von ernährt. Un abends wedder taurügge, dä hett Bärentouren ehat un sware Arbeit, Bügelsagen … Denn war ich ja ab 59 im Werk. Dat wörn böse Jahre, mein lieber Mann: Von Werk na Huse ekomen, n Happen egetten un denn wedder rut opn Acker, oppe Wiesche, dä ganzen Jahre. Denn wass ick inne Lackiererei, schwere Arbeit. Du hast gut verdient, aber im Sommer mit Maske, dä Nähte allet taueklebet, damit kein Dreck anne Wagen komet. Denn hat in Sommer dä Maske nich eholen, weil du esweet’ hast, falle dä immer runder un dat Water leip hier rut. Dat was ne sware Tiet, mein lieber Scholli.

(…)

Wenn eslacht worre, denn ging et abends rund, Slachtefest was immer ne grote Sache. Gaff et erstmal Suppe, Leber, Nackenstücke, Braten, alle so ne Sachen, dat hat orntlich esmecket. Dä ganze Nachbarschaft, Lücken, Müllers, Groß, Hermann Bürig, Meyers, use denne …

C  Breu dragen, Steeke, lüttje Wöste …

W  Lüttje Wöste hett ja meisten dä Kinder ekregen. Oh, öfter da hätt wi ne ganze Spiele lüttje Wöste ehat, sauveel Lüe kriegen dann eine. Tein, fofftein wörrn immer an’ Dische, dä Disch war immer vull. Suppe vorrwech, Klöße drin, dat andere hinderdorch, Pottwost.

(…)

Den ersten Trecker harrn use mal von Voges, n 15er Allgeyer. Aber kein Plaug datau,  nur usen olen Einschar. Hebbe ik usen  Opa opn Trecker esett, Opa Lindemann, vorr dä Hainhorst da harrn wi 8 Morgen, segge ik: Du fäuerst un ik gah hindern Plaug. Hewwe losefeuert un oben an’ Holte, da konne hei dä Kurve nich kriegen, Opa, un denn hatte immer eraupen Brrrbrrrbrrrrr  - dachte Päre, ne – Brrrrrrr,  un dä Trecker bliev aber nich stahn, in Graben rin. Un so hewwe denn eackert, Opa un ik.

(…)

Wo dä Tankstelle is, da harrn wi n Garen un da hett wi in’ Winter ok use Kartuffelkuhlen ehat. Un in’ Kriege, oppe Flockenfabrik, wörrn doch ok düsse … düsse Zwangsarbeiter von Werke ut, hett ja nist tau äten ekregen da. Un denn harren se Hunger un sünd se nachts immer ekommen un hett dä Kuhlen opemaket un Kartuffeln eklaut. Un het ja nich wedder tau emaket dä Kuhlen, is allet verfreiset. Is use Vader da n paarmal hen un denn seiten se da anne, denn hat hei sik n paar esnappet, harre woll ne Pistole oder wat midde, un denn hen na Gustav Voges, dä wass Börgermester. Denn hettse se inesparrt dä Nacht in Spritzenhus. Dä wörrn mehrere Male da … wenn se wedder tauemaket härren glieks, aber an’ nächsten Morgen war ja alles erfroren. Haste doch ebruket dä Kartuffeln.

C  Was warn das für Leute die da in Neindorf gearbeitet haben ?

W  Davon hat man nichts erfahren, die waren da in diesen Baracken am Sportplatz. Das war ne Aussenstelle vom VW – Werk. Bi Mulls inne Schüne harrn se ok Deile utelagert, Reifen un sowat.

C  Als das Flugzeug auf dem Lohne abgestürzt ist, 44, da warst du wohl noch zu klein ?

W  Nä, ich war auch da, teine wass ik. Einer lag doch da drinne, n Soldate, dä hat noch ezappelt … un einer … alles wegeretten, ohne Beine.

C  Dat hast du eseihn ?

W  Dat hebbe ik eseihn, jaja, bin aber glieks wedder afegahn.

C   Haste dik nich egruhlt ?

W  Einer sall noch in’ Boom ehänget hebben, da in’ Burholte.

C  Hettse eschrieht ?

W  Nä, dä wörrn doch alle henne.

(…)

C  Hast du Fußball gespielt ?

W  N guten Speeler ewest, mik konne keiner kriegen, ik konne dulle lopen.

C  Was hast du gespielt?

W  Vorne, Stürmer, mit Heinz Homann, wi harrn üsch so inespeelt, wi hett üsch nur anekeken, denn wußten wi genau, wo dä Ball henging. Un ik bin denn elopen un hebbe se rinehänget. Ju Vader was Manager mit Willi Bürig tausamme, hettse so Trenchcoats anehat, Häue op.

C  Wer stund in Almke in’ Tor?

W  Bökelmann, dän moßtest du immer mit Boltchen futtern, dä harre sin’ dicken Kopp immer, un wenne mit Boltchen keimst, denn was hei wedder op Schack. Bökelmann hettse mal n Bein afeträen, ebroken, dä hat eschriet opn Platze, Dunderwetter, nä. Dä hat jahrelang damit ekröppelt, bet zum Schluß eintlich.

C  Wer hat noch espeelt ?

W  Gerhard Diezel, Wilhelm Pape, Putzer wass hinden midde, Werner Stuten, Friedrich, Tutten wass ok in Sturm midde. Ju Vader hat espeelt, Gerd Bürig. Wass ja dä ole Platz noch, slecht, natt ok, wesste. Hat Gerd Bürig dän mal mal flach afepleuget, hewwe dat allet afefeuert, Minsche, da hewwe veel Arbeit ehat, ik segge dik. Oh, Gerd Bürig, dat  isn Filou ewesst bi’ n Fautball, dä hat veel mit dä Hand emaket. Hettse immer nich eseihn oder wolln et nich seihn, dä hat veel Tore mit dä Hand emaket. Und stikum wass dä, ganz stikum. (verstockt)

© 2019 by torsten fengler